Passivität heilt

So stemmte sich der Autor ein halbes Jahr lang gegen die Beklemmungen.

Wenn wir noch nicht lange leiden, verfügen wir über alle Kräfte der kürzlich verlorenen Freiheit. Nur wenden sich diese Kräfte gegen uns. Es geht nicht trotz, sondern wegen unserer Frische ganz hinunter in die Implosionskatastrophe.

Dann kommt die Phase der absoluten Schwäche. Alle Verteidigungswaffen müssen niedergestreckt werden, weil der Blick starr ins Leid gerichtet ist, und alle Kräfte des Leibes in verworrene und paradoxe Kanäle umgeleitet sind.
Die bodenlose Schmerzaktivität zwingt zur Aufgabe. Nichts kann mehr helfen. Keine Theorie, kein Weg, kein Durchdrehen bringt Lösung.

In diesen engen Zuständen vergingen einige Monate … und diese Zeit brachte die Information, dass die zwangsweise Passivität einen kleinen Fortschritt gebracht hatte.


Das Schwert des Verstandes hat zu schweigen.

Das Schwert des Verstandes

Wachsen des „Gemüts“

In der höchsten Bedrängnis wächst, wie Heidegger es uns in „die Technik und die Kehre“ beschreibt, das Gemüt. Mit jeder Gefahr, die wir – wie auch immer – überstehen, wird der Berg, auf den der Stein des Sisyphus gerollt werden muss, niedriger.

Es ist mutig, die Implosionsschmerzen langfristig auszuhalten. Wir müssen das wimmernde Schmerzschicksal ertragen, was eine sehr harte Zwangsarbeit darstellt. Dabei nehmen wir den Schwierigkeiten langsam ihre Masse weg. Die Sachlage besserte sich jedenfalls beim Autor auf diese Weise.

Der Philosoph Heidegger führt das so aus: Wir müssen uns in die „Schickung des Seins“ begeben, in die Enge, in die man uns treibt. Je länger wir die Enge aushalten, desto mehr wächst das rettende „Gemüt“. „Gemüt“ kommt vom unfreiwilligen aber notwendigen „Mut“, mit dem wir den Phänomenen gegenüberstehen. Das „Gemüt“ ist verstanden als ein angenehmes Körpergefühl, welches durch unsere Verdienste mit der Zeit wächst.

Implosionsprobleme stellen eine solche höchste Gefahr dar. Heidegger meint aber auch andere Schickungen des Seins, andere Arten des gegenwärtigen Leidens auf Erden, in die sich die Menschen begeben müssen. Sein Denken bezieht sich auf das „Sein“ aller und nicht nur auf die Analyse von Bewusstseinsproblemen, die wenige haben.

Skurriles Leiden

Ärzte sind aufgeklärte Leute, schließlich haben sie kiloweise Texte gelesen.

Der Autor litt und erlitt so intensiv, dass einige nicht mehr zuschauen wollten. Die Umstehenden konnten sich keinen Reim auf die Auswüchse der Realität machen, solche Zustände passt nicht in ihr Konzept. Einige reagierten mit entsprechenden Vermutungen: könnte man vielleicht eine Theatervorstellung herausfiltern? Kaum. Wir Betroffenen können nicht schauspielern.

Säure – Salatsoße meinte, dass Märtyrertum nutzlos ist. Es sei lediglich schick, zu leiden. Der Hang zu leiden haben mit dem Christentum zu tun, ohne die christliche Tradition wären die Menschen nicht so empfindlich. Es sei Aufgabe der Aufgeklärten, das Lamentieren zu beenden.

Gratulation, dachte der Autor. Muss sich toll anfühlen, so einen Standpunkt zu haben. 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.